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METAmoderne schläft

Wir wollen den Schlaf der Vernunft.

Der Schlaf der Vernunft gebiert nicht nur Ungeheuer. Denn was ist so ein Ungeheuer anderes als eine Anhäufung von nicht klärbaren, irrationalen Momenten, die hier bedrohend, angsterfüllend sind. Aber die positive Deutung des Phänomens wären Inspiration, schwärmerische Utopie, Poesie. Der Schlaf der Vernunft gebiert auch Poesie.

Beim Anblick der heutigen Gestaltung der Dingwelt, vom Kaffeelöffel bis zur Stadt, lassen sich die Objekte abseits des ganzen Stilgeplänkels in zwei universelle Kategorien einteilen. Und zwar in langweilige und in interessante Dinge.

Langweilige Dinge können durchaus schön sein, können das Siegel der guten Form tragen, können mit einem Höchstmaß an wirtschaftlichen Einsatz und technischen Können hergestellt werden. Aber sie bleiben dennoch nicht im Gedächtnis haften. Alles an ihnen ist bestimmt, ist klar und einsichtig und nur mit rationalen Argumenten erklärbar. Trotzdem sind es Dinge, die man einmal sieht und wieder vergißt, da es nicht notwendig ist, einen Gedanken daran zu verschwenden, weil alles erkannt und einsortiert ist, nichts mehr offen bleibt. Die geistigen Schubladen sind wieder zu, die Gleichung geht auf, es bleibt kein Rest.

Von diesen Gegenständen gibt es genug, obwohl oder gerade weil sie niemand mehr bemerkt.
Sie funktionieren halt – mehr nicht.

Aber dann gibt es diese anderen, vielleicht mißlungenen, sperrigen, nicht völlig befriedigenden, weil schrecklich unlogischen Dinge, die dafür im Geist hängenbleiben, in ihm arbeiten, bis er sich zu einer Entscheidung, einer Haltung zu ihnen durchringt. Die besten Gegenstände dieser Sorte behalten ihr Geheimnis und führen nie zu einer Entscheidung, weil sie immer wieder neu zu sehen sind.

Wir suchen keine Objekte, die satt den Status quo festhalten, sondern welche, die aktiv sind, einen eigenen Dialog beginnen und jedem die Möglichkeit geben, alle Erklärungen, die ihr Schöpfer zu ihrer Entstehung geben mag, über den Haufen zu werfen, da die eigenen Vorstellungen viel spannender sind.

Wir wollen also die Unschärfe, das Rätsel, das Mysterium.



METAmoderne, Hannover 1989








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